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"Weihnachten für's Volk" - ein Fest mit den Armen
Ist es Ihnen auch schon so ergangen, dass sich bei Ihnen nach Weihnachten ein gewisses Gefühl von Unzufriedenheit einstellte? Mir ging es regelmäßig so - trotz gelungener Christvespern, guten Essens, schönen Stunden in der Familie bei Kerzenlicht und köstlichem Weihnachtstee.
Was fehlt?, fragte ich Jesus. Seine Antwort war herausfordernd: Es fehlen die Menschen, die mir am Herzen liegen. Menschen, die viel oder alles in ihrem Leben verloren haben.
Das brachte mich und die Andreaskirchgemeinde Leipzig Mitte der 90-Jahre auf eine Spur, die unser Denken und Handeln zu Weihnachten grundlegend veränderte. Langsam verstand ich: Jesus wurde nicht im Palast, sondern im Stall geboren. Arme, von der Gesellschaft verachtete Hirten bekommen es zuerst gesagt: Der Retter ist geboren! Hier stellt Gott klar: Meine Liebe gilt zuerst den Armen - denen, die am Rande der Gesellschaft leben. In der Auseinandersetzung mit den religiösen Führern seiner Zeit sagt Jesus: Ich bin nicht für die Gerechten da, sondern für die von Gott getrennten und kranken Menschen.
Weihnachten mit denen, die Jesus zuerst am Herzen liegen
So überlegten wir in der Gemeinde: Wie feiern wir ein Weihnachtsfest mit Menschen in Leipzig, die Jesus zuerst am Herzen liegen? Als bisher bürgerlich geprägte Kirchgemeinde gab es manche Hürde zu überspringen: Haben wir ein Mandat für Menschen, die in völlig anderen Lebensumständen leben als wir selbst? Wird unsere Einladung überhaupt angenommen? Was wird aus unserem "eigenen" Heiligen Abend, wenn wir für andere da sind? Wird es genügend Mitarbeiter geben, die bereit sind, fest gefügte familiäre Traditionen hinter sich zu lassen?
Gott sei Dank war das Drängen des Geistes stärker als alle Fragen und Bedenken. Am Heiligen Abend 1998 luden wir von 19.30 bis 23.00 Uhr erstmalig zum Fest Weihnachten für's Volk ein. Die Inspiration für den Titel kam aus Lukas 2,10-11: Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Denn siehe ich verkündige euch große Freude, die für das ganze Volk sein wird. Denn euch ist heute ein Retter geboren (Elberfelder). Wir hatten mit Handzetteln und Plakaten in sozialen Einrichtungen, Obdachlosenhäusern etc. eingeladen.
Wie erstaunt waren wir, dass sage und schreibe an die 70 Menschen unserer Einladung folgten! "Weihnachten für's Volk" hat sich über die Jahre zu einem Highlight der Gemeindearbeit entwickelt: Im "Pavillon der Hoffnung" (Messhalle 14, Alte Messe), unserem neuen Gottesdienstort, kommen inzwischen über 200 Arme, Obdachlose und Einsame und etwa 50 ehrenamtliche Mitarbeiter zusammen, um den Heiligen Abend gemeinsam zu feiern.
Wie werden Sie dieses Jahr "Heilig Abend" feiern?
Zum Autor:
T. Piehler ist Pfarrer der evangelischen Andreaskirchgemeinde Leipzig und Vorsitzender des Vereins "Pavillon der Hoffnung" in Leipzig.
Ein kurzer Film über das besondere Weihnachtsfest der Andreaskirche Leipzig ist zu sehen unter:
Das ist Weihnachten - Andreaskirchgemeinde Leipzig