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Warum passiert bei uns so wenig

Charisma 148 > Aus dem Magazin

Emmerich Adam
Warum passiert bei uns so wenig?

Es ist schon großartig, von dem weltweiten Wirken Gottes, von Wundern zu hören und zu lesen, oder? Aber wenn wir ehrlich sind: Fragen wir uns nicht manchmal, warum bei uns (in unserem Land, in unserem eigenen Leben) so wenig passiert?

Die Antworten, die auf diese Frage oft gegeben werden, befriedigen in der Regel nicht: Pauschal zu behaupten, wir hätten zu wenig Glauben, oder die Erweckung sei eben noch nicht ausgebrochen, ist zu undifferenziert und kann sogar verletzend oder entmutigend sein.
Genau genommen handelt es sich um ein dreifaches Spannungsfeld, in dem wir uns befinden und das sich nicht einfach auflösen lässt:

1. Die temporale Spannung
Das ist die Spannung zwischen dem Gestern und Heute. Wir lesen von wunderbaren Ereignissen im Alten und Neuen Testament sowie in der Kirchengeschichte. Sogar in unserem persönlichen Leben entdecken wir vielleicht bestimmte Phasen, in denen wir Gottes Wunderwirken stärker erlebt haben als in anderen. Viele erleben gerade zu Beginn ihres Glaubenslebens besonders eindrückliche Wunder, die sich später nicht mehr unbedingt wiederholen.extreme, leider weit verbreitete Positionen sollten wir vermeiden: Die eine besagt, dass Gott heute überhaupt nicht mehr so handelt wie zu biblischen Zeiten, die andere, dass Gott zu jeder Zeit auf gleiche Weise handelt. Beide Positionen werden der Wirklichkeit nicht gerecht.

Ganz auflösen lässt sich die temporale Spannung nicht, aber das Erfülltwerden mit dem Heiligen Geist und das Ausüben der Geistesgaben vermindert zumindest diese Spannung. Denn durch den Heiligen Geist, der uns auch in unserer Zeit geschenkt wird, können wir ähnliche Wunder erleben wie zu biblischen Zeiten. Vom Volk Israel können wir lernen, wie wichtig es ist, sich an Gottes Handeln in der Geschichte zu erinnern und davon zu erzählen. Denn so werden wir ermutigt für die Gegenwart.

2. Die geografische Spannung
Das ist die Spannung zwischen dem Dort und Hier. Gegenwärtig können wir viele Berichte von Gottes Wirken und (massenhaften) Bekehrungen vor allem in Südamerika, Afrika und im asiatischen Raum lesen. Zugleich nimmt die Bedeutung des Christentums in Europa seit Jahrzehnten immer stärker ab.

Geografische bzw. kulturelle Unterschiede scheinen eine geistliche Dimension zu haben. Diese hängt damit zusammen, dass Gott sein Handeln nicht nur an Einzelpersonen knüpft, sondern auch an ganze Nationen, möglicherweise auch an Regionen (der sog. „heilige Boden“ im AT).

Ein gewisser Auswuchs dieser Erkenntnis ist der immer wieder anzutreffende „Wunder-Tourismus“, der scharenweise Menschen zu angeblichen Erweckungsgebieten reisen lässt, um die dort erlebten Erfahrungen sozusagen nach Hause zu importieren. Gottes souveränes Handeln lässt sich aber nicht „importieren“!wir mitnehmen können, ist im besten Falle ein gestärkter Glaube. Aber auch dieser ist keine Garantie dafür, dass wir zu Hause dieselben Wunder erleben werden. Die geografische Spannung bleibt bestehen.

3. Die personenbezogene Spannung
Oft scheint Gottes Wirken an bestimmte Personen gebunden zu sein. Dieselben Strategien und Vorgehensweisen scheinen oft nicht zu „funktionieren“, wenn sie von anderen ausgeübt werden. Das machte schon den Jüngern Jesu zu schaffen (Lk 9, 37–43).

Auch hier gibt es Extreme: Sie kann sich auf der einen Seite in einem Personenkult äußern, auf der anderen Seite in dem Bemühen, erfolgreiche oder gesalbte Menschen zu kopieren. Beides ist abzulehnen. Dass Gott bestimmte Menschen auf ganz besondere Weise gebraucht, ist offensichtlich und hat etwas mit der speziellen Berufung, vielleicht auch Vollmacht, dieser Menschen zu tun. Sie hat nicht unbedingt etwas damit zu tun, dass sie „geistlicher“ als andere sind.diese Spannung lässt sich nicht ganz auflösen. Aber wir können von besonders gesalbten Menschen lernen und im Idealfall sogar ihren Dienst übernehmen (wie z. B. Elisa von Elia). Auf alle Fälle sollten wir auch die gesalbtesten Menschen als Geschwister betrachten.

Auf die Beziehung kommt es an
Nicht selten sind auch Mischformen dieser Spannungsmomente zu beobachten. Zum Beispiel erleben gesalbte Männer Gottes, dass ihre Gebete und Predigten in dem einen Land mehr bewirken als in dem anderen.

Das Handeln Gottes bleibt souverän, und es gibt Mysterien (Glaubensgeheimnisse), die wir nicht einfach entschlüsseln oder theologisch erklären können. Selbst, wenn wir echte „Glaubenshelden“ sind, werden wir durch unseren Glauben nie über Gott verfügen und ihm vorschreiben können, wann er wie zu handeln hat. Aber wir können wie Abraham mit ihm „verhandeln“ oder wie Jakob mit ihm „ringen“, so dass wir Gottes Segen und Wirken erleben – hier und heute! Auf die Beziehung zu ihm kommt es an ...


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