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Moderner Sklavenhandel

Charisma 148 > Aus dem Magazin

Gerhard Bially
Moderner Sklavenhandel
Afrikanische Zwangsprostitution in Europa

Bis zu 100.000 Frauen aus Nigeria arbeiten in Europa in der Prostitution. Sie alle sind Opfer von Frauenhandel: Sie müssen exorbitante Beträge abzahlen und werden in dieser Zeit wie Sklavinnen behandelt. Ihre Peiniger und Besitzer waren meist selbst vorher Opfer: Es sind Frauen.Als diese Fakten letztes Jahr durch die Buchveröffentlichung „Ware Frau“ der Journalistinnen Kreuzer und Milborn an die Öffentlichkeit drangen, löste das Betroffenheit und viele Fragen aus. Inge Bell, die für ihr Engagement gegen Frauenhandel als „Frau Europas 2007“ ausgezeichnet wurde, schreibt dazu: „Kaum ein Opfer wendet sich freiwillig an die Polizei.

Selbst wenn die Zwangsprostituierten bei Razzien befreit werden, haben sie Angst, gegen ihre Peiniger vorzugehen, weil diese den Frauen eingeschärft haben, dass ihre Familien im Herkunftsland Gefahr laufen, Ziel von Repressalien zu werden, sie selbst illegal in Europa sind und somit im Gefängnis landen könnten – und dass die Zuhälter(innen) die besten Beziehungen zur Polizei hätten. Die Drohungen wirken. Denn die Frauen haben in ihrer Heimat nur allzu oft erlebt, dass korrupte Behörden und Zuhälter unter einer Decke stecken.“

„Wie können wir hier in der Gesinnung Jesu helfen?“, fragen Christen in den betroffenen europäischen Ballungsgebieten. „Manche der Prostituierten sind sogar aus christlichen Familien und Gemeinden“, weiß Sabine Kallauch von der Wiener Initiative Herzwerk zu berichten. „Ihnen wurde erzählt, dass sie in Europa zum Beispiel als Haushaltshilfe Geld verdienen und ihre Eltern und Geschwister in ihrer Armut unterstützen könnten.“

Am Strich treffen Sabine und Andreas Kallauch Frauen und Mädchen aus osteuropäischen Ländern und viele afrikanische Frauen, vor allem aus Nigeria. „Speziell diese junge Frauen haben oft einen furchtbaren Leidensweg hinter sich, bevor sie in Europa landen“, so Kallauchs gegenüber Charisma.

„Meistens sprechen sie kein Wort Deutsch, wenn sie hier ankommen“, meint Andreas. „Sie merken nur bald: Das Versprechen, das ihnen gegeben wurde, stimmt nicht! Wenn sie aber ausbrechen wollen, werden sie bedroht und geschlagen. Auch die Angst vor dem Juju-Schwur (Voodoo), den sie in Nigeria leisten mussten, hält viele von ihnen zurück.“ Und Sabine berichtet von einem Mädchen, das die Prostitution verweigerte – „dafür wurde ihr Bruder in der Heimat umgebracht“.

Deshalb hat sich in Wien im Herbst 2007 der gemeinnützige Verein Herzwerk gebildet. Sabine und Andreas Kallauch sind die Verantwortlichen und werden von vielen ehrenamtlichen Helfern unterstützt. Diese diakonische Initiative bringt Christen aus unterschiedlichen Freikirchen und Kirchen zusammen. Gemeinden, Gebets-initiativen wie Mercy House of Prayer, eine Nonne aus dem Orden der Karmeliterinnen und viele Einzelne beten für diese Menschen. Jede Woche finden Einsätze im Milieu statt und letztendlich will der Verein Hilfe zum Ausstieg aus der Pros-titution anbieten. Das ist nur in einem Netzwerk bestehend aus vielen Helfern, Gemeinden und Organisationen auch aus den Herkunftsländern möglich.

Eine ehrenamtliche Mitarbeiterin, Margrit, berichtet: „Normalerweise dauert die Vorbereitung für den Besuch bei den Afrikanerinnen fast zwei Stunden: 5 Liter heißer Rooibostee wird in Thermoskannen abgefüllt. In meinen Korb packe ich neben Zucker, Milch, 40 Styroporbechern und Plastiklöffeln etwa 30 Sandwiches mit Butter und Schinken. Eine andere Mitarbeiterin packt süßen Striezel ein. Sehr beliebt sind die Raffaellos. Dann bereite ich die Literatur vor. Die Afrikanerinnen wollen immer etwas Neues zum Lesen. Die meisten haben schon ein Neues Testament, ein „Whom to Trust“ und ein „Prisoner of Hope“. Es ist eine Herausforderung, immer etwas Passendes für sie zu finden, das auch bezahlbar ist.22 Uhr kommen wir im Prater an und grüßen die ersten von ihnen, die sich wirklich freuen, dass wir da sind. Dankbar nehmen sie den Tee entgegen. Jede will einen vollen Becher und darf genau sagen, wie viel Zucker und Milch sie möchte. Das hilft mit, eine entspannte Atmosphäre zu schaffen. Man schwatzt, man lacht zusammen. Einige sind sehr hungrig. Jetzt, wo es so kalt ist, sitzen wir manchmal mit 11 Frauen in unserem VW-Bus!!!es nur eine kleine Gruppe von Frauen ist, kommt es vor, dass das Gespräch nach einer Weile ernst wird. Viele leben in sehr schlechten Verhältnissen. Sie wissen oft nicht, wie sie ihre Miete bezahlen sollen, und werden von den Vermietern ausgebeutet. Andere haben Gewissenskonflikte. Um zu überleben und ihre Reise nach Europa abzubezahlen, müssen sie der Prostitution nachgehen. (Die Summen, die die Menschenhändler verlangen, variieren zwischen 40.000 und 60.000 Euro.) Sie sind moderne Sklavinnen. Viele von ihnen glauben an Gott und wissen, dass das, was sie tun, nicht richtig ist. Dieses Dilemma bereitet ihnen große Probleme, vor allem die Frage nach Vergebung. Mit Einzelnen beten wir und bitten Gott, ihnen einen Ausweg zu schaffen ...“

In den Niederlanden ist seit der Jahrtausendwende das 24/7-Gebet in pfingstlich-charismatischen und evangelikalen Kreisen aufgegriffen worden. Lynette Kong, eine vollmächtige Beterin chinesischer Abstammung, hat besonders die Herausforderung der Zwangsprostitution unermüdlich ins Bewusstsein der Beterinnen und Beter gerufen. Aranka Gooyert (CDA), die zur Pinkstergemeente Amsterdam gehört, der pfingstkirchliche Parlamentsabgeordnete Joël Voordewind (ChristenUnion) sowie andere Christen in der Politik machten die Öffentlichkeit immer wieder darauf aufmerksam, dass sich in Amsterdams Rotlichtviertel grausame, kriminelle Szenen abspielen: dass nicht nur illegaler Drogenhandel, sondern auch illegaler Menschenhandel blüht und gedeiht. Job Cohen, der früher als Justizminister Prostitution und „Homo-Ehe“ legalisiert hat, hat jetzt als Oberbürgermeister von Amsterdam gemeinsam mit dem jüdischen Stadtdirektor Lodewijk Ascher durchgesetzt, dass bereits 45% des Rotlichtviertels geschlossen wird. Dabei kommt ihnen ein Gesetz zu Hilfe, das im Falle von vermuteter Geldwäsche, illegalem Drogenhandel und Zwangspros-titution fordert, dass man seine Unschuld beweisen kann.Jan Barendse, Amsterdam, gegenüber Charisma: „Zurzeit verwandeln sich die ehemaligen Bordelle in Boutiquen, Künstlergalerien und Geschäfte mit Kleinkunstgewerbe. In wenigen Jahren kann man vielleicht auf einer Rundfahrt durch die Grachten hören: ‚Das hier war einst das Rotlichtviertel von Amsterdam‘.“

Aufklärungsarbeit scheint mir aber auch besonders wichtig in den Herkunftsländern der Frauen zu sein. Wie hilfreich können dort gesunde Gemeinden wirken, um Frauen vor den Fängen der Rachgierigen zu bewahren! Deshalb sind auch die Großevangelisationen, die Reinhard Bonnke und sein Missionswerk Christus für alle Nationen in Nigeria durchführen, von unschätzbarem Wert. Denn wenn die Ethik des Reiches Gottes dieses von Korruption gebeutelte Volk durchdringt, wenn die befreiende Kraft des auferstandenen Christus den Voodoo-Zauber entlarvt und überwindet, wenn verängstigte und geknechtete Menschen zu befreiten Söhnen und Töchtern Gottes werden, wenn lebendige Gemeinden eine Alternativgesellschaft von Vertrauen und Wohlwollen demonstrieren, dann wird das nicht ohne Auswirkungen auf die Bevölkerung bleiben.zuletzt braucht es Menschen, sie sich sowohl in Afrika als auch in Europa für die positive Änderung von Gesetzen engagieren– wie einst John Wesley oder William Wilberforce, die jahrzehntelang für die Abschaffung des Sklavenhandels im British Empire sowie gegen die Ausbeutung von Frauen und Kindern kämpften.

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