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"Heilige sind Menschen die mit ihrem Leben predigen, dass Gott lebt."
So einer war Franz Jägerstätter. Ein katholischer Bauer aus dem Dorf St. Radegund in Ober-Österreich. Er hatte in einem Traum bereits 1938 einen Zug gesehen, mit dem alle begeistert fahren wollen und der dann bei fröhlicher Fahrt in den Abgrund fiel. Diesen Zug identifizierte er mit dem Nationalsozialismus. Er, der 3 Kinder und seine Frau Franziska hatte, lehnte die nationalsozialistische Hagelhilfe ebenso ab wie die von den Nazis eingeführte Familienhilfe und war auch ein Gegner des Anschlusses an Deutschland.
Schließlich bekam auch er 1942 den Einberufungsbefehl zur Wehrmacht. Er geht zum Pfarrer. Der sagt ihm, der einzelne könne in so wichtigen Fragen nicht entscheiden. Seine Verantwortung sei, an seine Familie zu denken und sich nicht wegen Kriegsdienstverweigerung hinrichten zu lassen. Er habe keine Verantwortung für die große Politik - das solle er der Obrigkeit und der Kirche überlassen. Jägerstätter erwidert, dass Hitlers Krieg ein ungerechter Krieg sei, weil fremde Völker überfallen würden die doch genauso Menschen seien wie wir.
Der Pfarrer schickt ihn zum Bischof von Linz, Monsegniore Fliesser. Dieser gibt zu bedenken, ein Sieg über den gottlosen russischen Bolschewismus nütze doch dem Christentum. Jägerstätter erwidert, Blutvergießen dieser Art vermöchte das Christentum nicht zu retten oder gar zu neuer Blüte zu führen; dem Missionsauftrag der Kirche könne man nicht mit dem Gewehr in der Hand nachkommen.
Der Bischof kommt wieder mit dem Argument, er sei doch nur ein Einzelner und habe keine Verantwortung für die Entscheidungen der Obrigkeit. Dem erwidert Jägerstätter, er könne nicht gegen sein Gewissen handeln.
Dem freundlichen Major der Musterungskommission erklärt Jägerstätter, sein Gewissen verbiete ihm, an diesem gottlosen Krieg teilzunehmen. Als der Major ihn daraufhin fragt, ob er Angst habe an die Front zu gehen, antwortet Jägerstätter, er habe nur Angst vor der Hölle in die er hineinkomme, wenn er Hitler unterstütze. Man müsse Gott mehr gehorchen als den Menschen. Darauf kommt der Major mit dem Argument, man müsse dem Kaiser geben, was des Kaisers ist. Jägerstätter erwidert, man sei dem Kaiser das schuldig, was ihm gebühre, nicht aber das, was dieser sich nehme ohne jedes Recht. Der Major kommt mit einem neuen Argument: Deutschland sei nicht identisch mit Hitler. Darauf Jägerstätter: "Ich bin Österreicher." Für ihn ist Österreich das erste der von Hitler widerrechtlich annektierten Länder.
Jägerstätter wird verhaftet und Anfang 1943 an das Kriegsgericht nach Berlin überstellt.
Dort haben alle ein schlechtes Gewissen: Sein Rechtsanwalt Dr. Feldmann und die Offiziere des Gerichts versuchen ihn zu überreden, wenigstens als Sanitäter Soldat zu werden oder wenigstens einen Ersatzdienst als Rüstungsarbeiter zu leisten. Jägerstätter entgegnet, auch bei solchen Diensten müsse er zuvor den Eid auf den Führer schwören. Er wolle nicht die Ewigkeit verlieren und dazu in einem Krieg umkommen, der bereits verloren sei.
Die Offiziere wollen kein Todesurteil aussprechen und dringen weiter in ihn. Sie wiederholen die Argumente des Bischofs und des Majors: Er sei möglicherweise von illegalen Gruppen beeinflusst, er sei kein Generalstabsoffizier und habe deshalb keinen Einblick in die Lage und somit auch keine Verantwortung für das, was Hitler tue. Sie fragen ihn, ob denn die Millionen, die eingerückt seien alle kein Gewissen hätten und die zum Militärdienst eingezogenen Pfarrer und Theologiestudenten allesamt des Teufels seien. Am Ende wollen sie wissen, ob er ihnen einen einzigen Fall nennen könne, in dem ein Bischof oder ein Priester in einer Predigt die Katholiken aufgerufen habe, den Wehrdienst zu verweigern.
Natürlich muss Jägerstätter diese Frage verneinen, aber er sagt, das heiße doch nur, dass denen nicht die Gnade gegeben worden sei, die Wahrheit zu sehen. Er, Franz Jägerstätter, habe diese Gnade bekommen und müsse danach handeln.
Dem Kriegsgericht bleibt nichts anderes übrig, als Franz Jägerstätter nach § 5 der 33.Kriegsrechtsverordnung wegen Zersetzung der Wehrkraft zum Tode durch Enthaupten zu verurteilen.
Vor der Hinrichtung dürfen ihn seine Frau und der Pfarrer noch einmal für 20 Minuten sprechen. Sie sind aus Radegund in Österreich nach Berlin gefahren, Franziska hat Kuchen und Speck mitgebracht, was ihr jedoch beides abgenommen wird. Franziska beschwört ihn, an sie und die Kinder zu denken. Sie schreit verzweifelt: "Die Nazis werden dich umbringen". Franz Jägerstätter antwortet, Christus habe gesagt, wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist mein nicht wert, und dass nach diesem Krieg viele Kinder vergeblich auf ihren Vater warten würden.
Am Schluss fragt Jägerstätter den Pfarrer aus seinem Dorf, ob es eine Sünde sei, seinem Gewissen zu folgen. Der Pfarrer verneint diese Frage und segnet ihn.
Franz Jägerstätter empfiehlt seine Frau und seine Kinder dem gnädigen Gott.
Am 9.August 1943 wird er enthauptet.
21 Monate später kommt der Zug zum Halten, den Franz Jägerstätter im Traum gesehen hat. Der Zug hat Millionen in den Tod gefahren.
Zu Zeiten bereiten sich um biedermeierlich anheimelnde Wohnstuben herum die Katastrophen vor. Würden wir sie wahrnehmen?
Woher nehmen wir in unserer Zeit die Maßstäbe für unser Handeln, woher den Mut und die Kraft, unserer Überzeugung treu zu bleiben ?
Zum Autor:
M. Warnke studierte evangelische Theologie und Jura. Geprägt von der Jesus-People-Bewegung leitete er in den 1980er Jahren die Rhema-Gemeinde in Darmstadt. Heute wirkt er als Rechtsanwalt in Wuppertal.