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Eine neue Geistesausgießung für Europa

Charisma 147 > Aus dem Magazin

Gerhard Bially
Eine neue Geistesausgießung für Europa
Europäisches Treffen pfingstlich-charismatischer Christen in Madrid

Mit etwa 9.000 Menschen um mich herum sitze ich in einer Stierkampf-Arena und verfolge den Kampf: spannender als sonst, gewaltiger, existentieller. Heute geht es ums Ganze. Carlos Anacondia, der in Südamerika schon „manchen Stier“ bezwungen hat, kämpft um jede einzelne Seele in der Arena. Schaulustige Menschen sind mitgekommen, aber auch suchende, selbstsichere und völlig zerstörte … von Abhängigkeiten, von Krankheiten, von niederschmetternden Umständen.

Anacondia verkündigt die frei machende Botschaft von Jesus Christus. So wie er es seit vielen Jahren in den Stadien und Sälen Lateinamerikas macht. Doch mindestens ebenso lang betet er allgemein von der Bühne aus und mit einzelnen Menschen auf dem Sandboden der Stierkampf-Arena. Die begierige Sünde kann überwunden, die niederschmetternde Krankheit besiegt, die zerstörte Beziehung wiederhergestellt werden – nicht durch die Taktik eines Toreros, nicht durch das Blut des Stiers, sondern durch das Blut des Sohnes Gottes.
Freude ist im Himmel. Mehr als ein Sünder tut Buße! Die Freude lässt auch den Plaza „La Cubierta“ de Leganés erbeben.

Spanien – Gastgeber der Pfingst-europakonferenz (PEK 24./25.10.2008)
Was ist die PEK eigentlich?, will Charisma gerne wissen. Pas-tor Juan Carlos Escobar, Vorsitzender der Konferenz, antwortet darauf: „Die diesjährige PEK ist ein Ereignis, das von den charismatischen und pentekos-talen Gemeinden in Spanien organisiert wurde. Gleichzeitig sind wir eingebunden in die europaweite Vision der European Pentecostal Fellowship (PEF).“

Und was ist der Zweck und das Ziel dieser aufwändigen Konferenz? Escobar: „Unsere Hoffnung ist, dass wir uns als Volk Gottes vereinigen, damit der Vater seinen Heiligen Geist neu ausgießt. Gleichzeitig soll das auch einen Einfluss auf die Gesellschaft haben.“
Wie viele geistliche Bewegungen und Denominationen unterstützen die PEK?, wollen wir noch erfahren von Pastor Escobar, der zugleich Präsident der Assembleos de Dios in Spanien ist. Seine Antwort: „Insgesamt arbeiten hier 18 Bewegungen zusammen. Das ist schon ein Erfolg, doch unser Wunsch ist, dass darüber hinaus viele außenstehende Menschen zu den Veranstaltungen kommen.“

Impact Madrid
Einen Impact (lt. Wörterbuch „heftiger Stoß, Einschlag, Einfluss, Auswirkung“) wollen auch pfingstliche Jugendliche in Madrid hinterlassen. Sie reis-ten bereits vor der PEK an und luden die 3,5 Millionen Einwohner von Spaniens Metropole in die Stierkampf-Arena ein.

„Die Offenheit der Madrilenen überraschte mich“, berichtet Martin Breite, der im Auftrag des Bundesjugendwerkes des BFP dabei war. „Auch viele Immigranten und einige Touristen ließen sich in der Metro und auf den Straßen und Plätzen auf Gespräche und einige sogar auf Jesus Christus ein, sodass am Ende etwa 40 Kontaktkarten an die spanische Pfingstbewegung übergeben werden konnten“, schreibt Pastor Breite der Charisma-Redaktion.

Daniel Constanza aus der PEF-Zentrale in Brüssel kam mit 70 jungen Belgiern angereist. Auch die junge Garde aus Finnland war stark vertreten – es scheint darauf anzukommen, dass es in dem oder aus dem jeweiligen Land einen „Brückenkopf“ gibt.

In den Tagen vor der PEK waren die Jugendlichen unter anderem mit Frank Alexanders Gospel-Vision-Lastwagen aus Frankreich, der eine ausklappbare Bühne besitzt, auf den Plätzen der Innenstadt. Danach fuhr der Gospel-Truck neben das Konferenzgebäude. Hier konnten auf dem Wochenmarkt nochmals viele Menschen erreicht werden.

Ein Beitrag zur Einheit
In einem Charisma-Interview erläutert Sergio Zubillaga, der einen apostolischen Dienst auf den Kanarischen Inseln ausübt, dass die Tür in Spanien jetzt sehr offen und der Boden sehr weich sei für geistliche Einheit unter den sogenannten evangelischen Christen.
(Anm. der Redaktion: Dazu gehören historische protestantische Kirchen und Freikirchen, vor allem jedoch evangelikal-charismatische und pfingstliche Gemeinden.) Die PEK soll diesen Prozess nicht etwa durch eine zu starke konfessionelle Ausrichtung stoppen, sondern im Gegenteil fördern. „Wir sehen gerade viel positive Veränderung in den Beziehungen unter den evangelischen Christen“, so Pastor Dolores. Und als zweiter Vorsitzender der PEK lässt er es sich nicht nehmen, noch anzufügen: „Diese PEK passt genau in diese Zeit. Ich glaube, dass die PEK der Anfang von etwas sein kann und dass die PEK viel Vertrauen zu vielen Pastoren in Spanien bringen kann – und natürlich wird das auch die Gemeinschaft der Pastoren stärken.“ Thema Einheit sprach auf Wunsch der Madrider Pas-toren PEF-Vorsitzender Ingolf Ellßel. Bereits im Mai 2008 begeisterte der Tostedter Pastor hier die etwa 300 Personen starke Leiterschaft von Madrid und Umgebung, als er sie umwarb, dem Ideal neutestamentlicher Gemeinde nachzueifern: eines Herzens und eines Sinnes zu sein.

Quintessenz seiner zentralen Botschaft: Als ein Resultat urchristlicher Gemeinschaft und Einheit wurden alle Kranken und Besessenen gesund, die man zur Gemeinde und zu den Aposteln brachte (Apg 5,16). Ab dem nächsten Kapitel wird von Streitigkeiten innerhalb der Gemeinde und später auch der Leiterschaft berichtet. Doch nie mehr, dass alle geheilt wurden.

Stimme der vergessenen Christen
Wie Gott eine Verlegenheit zur besonderen Gelegenheit machte, zeigt der Ersatz für David Wilkerson. Der als Redner vorgesehene legendäre Autor von „Das Kreuz und die Messerhelden“ entschied sich, seiner erkrankten Frau beizustehen. Dafür sprang der Leiter der jordanischen Pfingstbewegung, Pastor Dikran Slabashian, ein. Als Stimme der „vergessenen arabischen Christen“ ermutig-te er uns, den Muslimen in unserem Land Zeugnis zu geben, für sie zu beten (schließlich seien sie doch Kinder Ismaels) und Missionsopfer für die muslimische Welt zu bringen.

Slabashian kritisierte die Oberflächlichkeit, die auch in unseren Kreisen anzutreffen ist: „Viele sind an der Frucht nicht so interessiert wie unser Herr.“ Werde ein Prophet angekündigt, so kommen seiner Erfahrung nach selbst diejenigen, die man schon seit Monaten nicht mehr im Hauskreis gesehen hat. Doch kündigt man eine Zurüstung für persönliche Evangelisation an – vielleicht noch in Verbindung mit einem Einsatz auf der Straße – , dann kann man die Teilnehmer zählen ... Zwei Bibelstellen, die zu tief gehen, um sie sich nur für einen Bibelquiz zu merken: „Wenn wir Apostelgeschichte 1,8 nicht umsetzen, wird Apos-telgeschichte 8,1 kommen“.

Deutscher Input
Neben Alt-Präses Ingolf Ellßel prägten Hannelore Illgen und Gaby Wentland den Kongress entscheidend mit. Hunderte von Frauen folgten Gabys Aufruf, sich ganz Jesus zu weihen und seine Ausrüstung mit der „Kraft aus der Höhe“ für ihr Leben und ihren Wirkungsbereich zu empfangen. Und dann schloss sich das eingangs geschilderte Grande Finale an. Als es mir nicht nur zu lang, sondern auch zu laut wurde, zog ich mich in einen anderen Gebäudeteil zurück. Auf dem Weg begegnete mir der spanische Sänger und Prediger Marco Barrientos, der seit Jahren in den USA lebt. Er fing an, über mir zu weissagen, dass Gott mir Gunst in Spanien geben werde ... Mehr darüber auf der nächsten Seite.

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