Charisma 145 > Aus dem Magazin
Eine christliche Heilkunde
Wie lassen sich medizinische Erkenntnisse
und Glaube verbinden?
Die Weltgesundheitsorganisation hat 1997 ihre Gesundheitsdefinition von 1948 um die spirituelle Dimension erweitert: „Gesundheit ist ein dynamischer Zustand vollständigen physischen, psychischen, sozialen und spirituellen Wohlbefindens und nicht allein die Abwesenheit von Krankheit oder Gebrechen.“
Es hat fast 100 Jahre gedauert, bis die Psychosomatik in der Medizin allgemein akzeptiert wurde. Der gegenwärtige Prozess einer nochmaligen Horizonterweiterung um die spirituelle Dimension wird ebenfalls Zeit benötigen. Er fordert die christlichen Kirchen zur Mitgestaltung heraus.
Für die zunehmende Erfahrung von Begrenzung im etablierten Gesundheitswesen ist die Erweiterung um die spirituellen und psychosozialen Möglichkeiten christlicher Gemeinden eine große Chance im Sinne einer ganzheitlichen Hilfe für Kranke.
Körperliche Behandlungen, psychosoziale Hilfen und geistliche Heilungsprozesse wirken in einer christlich fundierten Heilkunde zusammen (s. Abb.) Dies geschieht in einer Atmosphäre der Glaubwürdigkeit, Annahme und Wertschätzung, Sensibilität und Freiheit. Hintergrunddienste wie Fürbitte-, Organisations-, Gestaltungs- und Versorgungsdienste tragen dazu bei, dass Menschen sich für Veränderungs- und Heilungs-pro-zesse öffnen. Beispielhaft seien genannt: Raumgestaltung durch künstlerisch-kreative Elemente mit heilsamen (christlichen) Motiven, gastfreundliche Bewirtung, Auslage hilfreicher (christlicher) Literatur in Wartezonen …
Das Profil einer christlich fundierten Heilkunde zeigt die enorme Bedeutung des Zusammenwirkens der unterschiedlichen Professionen und Begabungen im Team auf: Der Dienst des Chirurgen im OP, der des Seelsorgers am Krankenbett, das Engagement des Beters im gemeindlichen Heilungsdienst, das der Altenpflegerin im ambulanten Pflegedienst, die psychotherapeutische Behandlung, die intensive Fürbitte im Hintergrund – jeder Einsatz im Sinne der Christlichen Heilkunde ist originär und sollte mit ganzem fachlichen Können und mit ganzer Hingabe erfolgen.
Georg Schiffner