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Bonus zu Seite 18 - Rezension

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BONUS zu Charisma 158, S. 18

Rezension

Claudia Währisch-Oblau
The Missionary Self-Perception of Pentecostal/Charismatic Church Leaders from the Global South in Europe. Bringing Back the Gospel
(Global Pentecostal and Charismatic Studies 2), Leiden/Boston 2009, 428 Seiten

Claudia Währisch-Oblau legt mit diesem Band ihre Heidelberger theologische Dissertation (Betreuer: Michael Bergunder) vor. Ihr liegt daran, mit dieser Studie die Grundlage und also Möglichkeitsbedingung für eine engere und bedeutsame Zusammenarbeit zwischen pfingstlich-charismatischen Migrationsgemeinden in Europa und hiesigen protestantischen Großkirchen bereitzustellen. […]

Um es gleich vorweg zu nehmen: Es handelt sich um ein Werk von grundlegender und richtungweisender Bedeutung […] Die Dissertation ist nicht nur das Ergebnis einer zeitlich umgrenzten Feldforschung im engeren Sinne, sondern sie bildet gleichzeitig den vorläufigen Abschluss einer über zehnjährigen intensiven, kontinuierlichen wie Früchte tragenden Zusammenarbeit mit diesen Gemeinden im erweiterten Ruhrgebietsraum. Kaum jemand anderem wäre es möglich gewesen, eine solche Arbeit vorzulegen, setzt sie doch neben der akademischen Kompetenz der Forscherin wesentlich ein tiefes Vertrauensverhältnis zwischen ihr und den befragten Gemeindeleitern in der Migration voraus. […]

Claudia Währisch-Oblau erhebt die Binnenperspektive von Migrationspastoren, die in Deutschland tätig sind, und zwar vor allem anhand der Analyse von 24 Lang- und 80 Kurzinterviews […] Ihrer Arbeit legt sie eine – von ihr im Übrigen selbst erstellte – Datenbank von 431 Migrationsgemeinden aus dem VEM-Einzugsbereich zugrunde. 291 dieser Gemeinden sind dem pfingstlich-charismatischen Spektrum zuzurechnen; 200 von ihnen sind afrikanischer, 48 asiatischer Herkunft.

Die Autorin benennt folgende Diskursfelder, die in unterschiedlicher Auswahl und Kombination die Zuschreibung zur pfingstlich-charismatischen Version des Christlichen unter den Migrationsgemeinden rechtfertigen (S. 44f): die Konstruktion einer Biographie seitens der Gemeindeleiter, welche ein Bekehrungserlebnis zum Ausgangspunkt einer christlichen Existenz setzt; die Interpretation der eigenen Lebensgeschichte als Übergang von einer sündhaften zu einer geheiligten Existenz; eine durchgehend spirituelle Deutung sowohl des eigenen Lebensweges als auch der Welt an sich, und zwar unter antagonistischer Perspektive; ein permanentes Rechnen mit dem Einbruch supranaturalistischer Manifestationen des Heiligen Geistes in die sichtbare Welt; der Anspruch in der Kraft des Heiligen Geistes zu wirken, um böse Geister zu überwinden oder Wunder zu vollbringen; die Interpretation von Träumen, Visionen usw. als Manifestationen des Heiligen Geistes; eine wörtliche und biblizistische – allerdings nicht fundamentalistische, da unter dem vorrangigen Anspruch des Heiligen Geistes ergehende (vgl. S. 252) – Lektüre der Bibel; die Überzeugung davon, dass eine angemessene Bibellektüre alleine auf den Beistand des Heiligen Geistes angewiesen ist, dessen sich die Akteure gewiss sind; die pastorale Rolle wird verstanden im Sinne des paulinisch hergeleiteten „fünffachen Dienstes“, der Berufung durch den Heiligen Geist und der Ausstattung mit charismatischen Gaben, und zwar unter Absehung theologischer Ausbildung; Erlösung bzw. Rettung setzt voraus eine freie Willensentscheidung „für Christus“, die die Immersionstaufe nach sich zieht, während die Kindertaufe für ungültig erachtet wird; die Erwartung der baldigen zweiten Ankunft Christi, welche mit dem Endgericht einhergeht und gleichzeitig zur Evangelisation in der Zwischenzeit motiviert, damit noch viele „errettet“ werden mögen. […]

In einem abschließenden Kapitel (305–336) benennt Claudia Währisch-Oblau Konsequenzen, die sich aus den vorangehenden Analysen für die Frage und Aufgabe der Zusammenarbeit zwischen Evangelischer Kirche und jenen Migrationsgemeinden ergeben. Eine wichtige Folgerung besteht Seitens der europäischen Großkirchen darin, die Migranten aus dem globalen Süden als Akteure ernst zu nehmen und sie nicht auf eine Opferrolle festzuschreiben, die dann allein diakonische Aufmerksamkeit erforderte. […]

Der Weg des Zusammen-Wachsens von Christen ganz unterschiedlicher kultureller Prägung […] bedarf allerdings der reflektierten Begleitung, die Achtsamkeit und Geduld erfordert. Die Beobachtungen, Analysen und Schlussfolgerungen, die Claudia Währisch-Oblau in ihrem Buch benennt, werden zum Gelingen dieses Prozesses sicher beitragen.

Werner Kahl
(Apl Professor im Fachgebiet Neues Testament und Geschichte der Alten Kirche sowie Studienleiter der Missionsakademie an der Universität Hamburg)

Die vollständige wissenschaftliche Rezension finden Sie unter
http://www.glopent.net/iak-pfingstbewegung/Members/webmaster/rezensionen/waehrisch-oblau-2009/view

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